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Machbarkeitsstudie zur Ansiedlung von Elchen im Nationalpark Eifel



Vor dem Hintergrund des in den letzten Jahrzehnten stark gestiegenen weltweiten Artenschwundes spielt die Erhaltung der Biodiversität im Naturschutzdenken derzeit eine immer größere Rolle. Es werden mit dieser Zielsetzung nicht nur Anstrengungen unternommen, die vorhandenen Arten zu schützen, sondern es werden auch Aktivitäten gefördert, regional ausgestorbene Arten wieder einzubürgern. Auch der Elch (Alces alces L.) zählte in der Vergangenheit zur heimischen Fauna. Einst im Bereich von ganz Deutschland verbreitet wird er hierzulande heute in der Roten Liste der bedrohten Tierarten als ausgestorbene Art geführt. Bei dem in der Machbarkeitsstudie skizzierten Konzept zur Auswilderung von Elchen handelt es sich nicht um ein schon einmal praktiziertes Modell, sondern um Überlegungen, die sich auf der Basis der vorhandenen Kenntnisse über die Biologie des Elches ergeben sowie auf der Basis von praktischen Erfahrungen, die im Rahmen von Einbürgerungs- bzw. Wiedereinbürgerungsversuchen mit anderen Tieren gewonnen wurden. Demnach ist der Bereich des Nationalparks Eifel von den dort vorhandenen Lebensraumrequisiten her gesehen für eine Ansiedlung von Elchen zwar nicht optimal, aber immerhin suboptimal geeignet. Ausgesetzte bzw. angesiedelte Elche würden dort mithin nicht verhungern, sie würden auch adäquate Einstände finden, so dass die Grundvoraussetzungen für eine Reproduktion und damit für ein nachhaltiges Vorkommen gegeben wären. Aufgrund des lang gestreckten Zuschnitts und der dadurch bedingten überwiegend geringen Ausdehnung ist jedoch nicht davon auszugehen, dass dort angesiedelte Elche trotz der vorhandenen Gebietsgröße von 10.700 ha – einer Fläche, die einen sich selbst tragenden Bestand von ca. 100 Tieren zuließe – ausschließlich im Bereich der Nationalparkfläche bleiben würden. In mehr oder weniger großer Anzahl würden sie vielmehr bereits in der Anfangsphase einer Ansiedlung nach allen Richtungen hin aus- bzw. abwandern, insbesondere in Richtung des belgischen Truppenübungsplatzes Elsenborn, der im Südwesten an den Nationalpark angrenzt, sowie in die nicht weit davon entfernt liegenden Naturschutzgebiete des Hohen Venn. Aufgrund der von daher zu erwartenden großflächigen Vereinzelung ausgesetzter Elche ist nicht auszuschließen, dass die Reproduktion darunter leiden und im Endeffekt vielleicht nicht ausreichen würde, um mittelfristig eine sich selbst tragende Population im Nationalparkbereich aufzubauen. Weiterhin ist davon auszugehen, dass es auf den fünf den Nationalpark durchquerenden Bundes- und Landstrassen zu Verkehrsunfällen durch bzw. mit Elchen kommt und als Folge davon zu Verlusten unter den Elchen. Allerdings dürfte ihre Anzahl nicht solche Ausmaße annehmen, dass dadurch der Ansiedlungserfolg spürbar verzögert oder gar in Frage gestellt würde. Dies dürfte sich vielmehr eher dadurch ergeben, dass Elche, die den Nationalpark auf der Suche nach attraktiven Äsungsflächen und Einständen verlassen und in angrenzenden Revieren auftauchen und dort Wildschäden verursachen, wegen illegaler Entnahme von dort nicht mehr zurückkehren. Falls dies insbesondere in der Anfangsphase der Ansiedlung in einem größeren Umfang erfolgen würde, könnte diese Situation durchaus zu einem gravierenden Negativum für das Projekt werden. Allerdings hätte diese Situation mit der Frage der Eignung des Nationalparks Eifel primär nichts zu tun.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass es trotz aller aufgezeigten nicht so günstigen Parameter insgesamt gesehen durchaus machbar wäre, Elche im Nationalpark Eifel anzusiedeln. Da einer Ansiedlung jedoch die Verordnung über den Nationalpark eindeutig entgegensteht, ist sie letztendlich aber doch hier nicht machbar. In Anbetracht des im Endeffekt negativen Ergebnisses, zu dem die Machbarkeitsstudie geführt hat, erscheint es angezeigt, gleichsam als Nachtrag zu ihr, kurz darauf einzugehen, welche Bereiche gegebenenfalls als Alternative zum Nationalpark Eifel für eine Ansiedlung von Elchen in Frage kämen. Unter diesem Aspekt ist da zunächst einmal der Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern zu nennen. Er verfügt über eine Größe von rund 24.000 ha und weist alle für Elche notwendigen Lebensraumrequisiten auf bis hin zu sumpfigen Stellen und Flachseen.


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