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Machbarkeitsstudie zur Wiederansiedlung des
Luchses in der Nordeifel



Seit etwa drei Jahrzehnten gibt es wieder einzelne Hinweise auf das Vorkommen des Luchses in der Eifel sowie konkrete Nachweise im letzten Jahrzehnt. Die Herkunft dieser Tiere ist unbekannt. Hinweise auf Reproduktion liegen aus 2003 und 2007 vor. Die Zahl und Verteilung der Hinweise in den Jahren 2000-2010 deuten auf den Versuch einer gezielten illegalen Wiederansiedlung hin, die aber offenbar scheiterte. Die gesamte deutsche Eifel bietet bei einer Fläche von rund 5.200 km² und einem Waldanteil von etwa 45% einer Teilpopulation von etwa 20- 50 Tieren Platz. Sie wäre ohne Anschluss an andere Populationen (alle linksrheinischen Gebiete, wie Pfälzerwald, Vogesen, Ardennen) nicht langfristig überlebensfähig. Die Wiederansiedlung des Luchses wird von Interessengruppen gerne an der Machbarkeit gemessen, ohne allerdings dabei rechtliche und ökosystemare Zusammenhänge mit zu berücksichtigen. Ziel einer Bestandsstützung, wie auch einer Neubegründung einer Luchspopulation, muss eine sich dauerhaft selbst erhaltende Population sein. Dies setzt ein politisch wie finanziell langfristig gesichertes Projekt voraus. Die Kriterien der IUCN sind bei der Durchführung strikt einzuhalten. Verwendet werden sollten ausschließlich Wildfänge aus den Karpaten. Art. 22 der FFH-Richtlinie sieht die Wiederansiedelung ehemals einheimischer Arten durchaus positiv. Diese soll erfolgen, wenn sie der Erhaltung der Art förderlich ist. Die Richtlinie betont jedoch die besondere Verantwortung Deutschlands für die Europäische Wildkatze (Felis silvestris s. L.), nicht aber für den Luchs. Die IUCN (2008) gibt für den Luchs (Lynx lynx, Eurasian Lynx) den Status ungefährdet (Least Concern) an, bei stabilem Populationstrend. Der Bestand der Luchse ist demnach weltweit nicht gefährdet. In keinem der deutschen (Wiederansiedlungs-) Gebiete wird bisher eine annähernd natürliche Populationsstruktur und -dichte erreicht. Für die letztendliche Betrachtung und Beurteilung von Einflüssen des Luchses auf das Ökosystem wäre ein solcher Zustand aber Voraussetzung. Eindeutig gegen die Wiederansiedlung des Luchses zum derzeitigen Zeitpunkt sprechen:

- die gesetzlichen Bestimmungen: Auf Grund der Ausrottung vor etwa 300 Jahren ist der Luchs in NRW im Sinne des Gesetzes keine heimische Art mehr.
- die zu erwartende Verschlechterung des Erhaltungszustands der lokalen Population der Wildkatze als FFH Anhang IV Art, für die Deutschland eine besondere Verantwortung trägt
- die zu erwartende illegale Bejagung.

Die Wiederansiedlung des Luchses in der Eifel würde den kompletten linksrheinischen Bereich von den Niederlanden über Belgien, Luxemburg bis Frankreich, sowie den Hunsrück, das Saarland und den Pfälzerwald betreffen. Wer die Wiederansiedlung einer Luchspopulation durchführt, hat die Verantwortung für die Folgen - auch langfristig - zu übernehmen.

Für den Eurasischen Luchs gilt es, insbesondere die bestehenden Populationen im Norden (Skandinavien, Sibirien) und in den Karpaten und auf dem Balkan zu erhalten.

Es wird empfohlen durch Intensivierung des Monitorings Informationen über den derzeitigen "Bestand" an Luchsen und die Herkunft der Tiere zu gewinnen. Empfohlen wird auch der Ausbau des Informationsnetzes („Luchsberater“) und die Besenderung bereits im Gebiet vorkommender Einzeltiere. Sinnvoll ist auch die Entschneidung der Landschaft weiter voranzutreiben (Entschneidungskonzept des MKUNLV für die Eifel, 2011) sowie die Form der Bewirtschaftung in den Wäldern anzupassen und mehr Wildnis zuzulassen. Dies könnte das Konfliktpotential Mensch-Raubtier sowie den Einfluss der Spitzenprädatoren innerhalb der Gilde der Beutegreifer deutlich abschwächen. Sollten diese Maßnahmen greifen wäre eine Neubewertung vorzunehmen. Die verstärkte Kontrolle der Nachzuchten in Zoos, Tierparks und privater Haltung erscheint vor dem Hintergrund illegaler Aussetzungen dringend geboten.



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