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Machbarkeitsstudie zum Einsatz von Wasserbüffeln
in der Landschaftspflege im Rheinland



Der Europäische Wasserbüffel (Bubalus murrensis) kam bis zur Eem-Warmzeit im Mittelmeerraum und nach Norden bis ins Rheintal vor. Er ist weltweit ausgestorben. Der Hauswasserbüffel (Bubalus arnee f. bubalis) jedoch – die domestizierte Form der in Asien lebenden Wildart (Bubalus arnee) – wird seit 5.000 bis 7.000 Jahren als Nutztier vom Menschen gehalten. Zunehmend wird er hierzulande für die Landschaftspflege entdeckt, da diese wasserliebende Art besser für die Beweidung auf sumpfigem Untergrund geeignet ist als heimische Rinder oder Ziegen und Schafe. So wird im Rahmen einer neuen Konzept-Linie namens "Neue Wildnis" ein ganz moderner naturschutzfachlicher Ansatz verfolgt: Anders als beim klassischen Prozessschutz liegt dieser Vorgehensweise die Einsicht zugrunde, dass natürliche Dynamik in all ihren Facetten nur dann abläuft, wenn sich auch die Fauna ohne Einschränkung entwickeln kann. Und zur natürlichen Fauna zählten nun mal auch Arten, die in prähistorischer Zeit existiert haben und jetzt durch moderne Vertreter – wie z.B. den Hauswasserbüffel – ersetzt werden. Neben der Frage, was alles zur mitteleuropäischen natürlichen Fauna gehört, beschäftigt sich die Studie vor allem mit der Frage, welche natürlichen Requisiten in eine Landschaft hineingehören, damit eine möglichst große Biodiversität in ihr erhalten werden kann. Dabei liegt der Fokus auf der Tierart Wasserbüffel und ihre Eignung für den Einsatz in Landschaftspflege und Artenschutz. Insbesondere die Verhaltensweise dieser exotischen Rinderart Suhlen zu bilden und diese offen zu halten ist dabei besonders für den Erhalt der Gelbbauchunke (Bombina variegata) von Interesse, da diese Pionierart auf vegetationsfreie Kleingewässer angewiesen ist. Zwar legen auch Wildschweine regelmäßig Suhlen an, doch sind diese normalerweise viel zu klein, um einer artenreichen Folgefauna und –flora als Lebensraum zu dienen. Die Haltung von Hausschweinen dagegen, die auch größere Suhlen erzeugen könnte, wird durch gesetzliche Auflagen derart eingeschränkt bzw. erschwert, dass sie auf größeren Flächen kaum durchführbar ist.

Somit ist die – aktuell weitgehend unbesetzte – Nische des Wasserbüffels in der Biotoppflege und im Artenschutz klar umrissen: Beweidung brachgefallener Feuchtgrünland- und Nassstandorten einschließlich der Schaffung von Kleingewässern als Lebensraum für Amphibien, Wasserinsekten und andere Arten. Dabei sind Wasserbüffel durchaus auch auf trockenen und mäßig feuchten Flächen einsetzbar und können hier durchaus gewöhnliche Rinder ersetzen. Wie andere Rinderarten auch (sowie Pferde, Ziegen etc.), fressen Wasserbüffel auf den Weiden zunächst die schmackhaftesten und energiereichsten Pflanzen. Erst im Verlaufe des Sommers und im Herbst/ Winter werden zunehmend auch weniger beliebte Arten gefressen. Dies gilt z.B. für Binsen, Sauergräser, Ampfer und andere "Weideunkräuter". Im Gegensatz zu Hausrindern, insbesondere Hochleistungsrassen, die bei abnehmender Qualität des Aufwuchses schnell an Gewicht und Kondition verlieren, vermögen Wasserbüffel noch aus Weideresten extensiver Rinderkoppeln Körpermasse aufzubauen und Milch zu produzieren. Auf diese Weise können Dominanzbestände unerwünschter Pflanzenarten auf Extensivgrünland, z. B. von Binsen, Brennesseln oder Drüsigem Springkraut (Impatiens glandulifera), innerhalb weniger Jahre abgebaut und in artenreiche Bestände umgewandelt werden, die dann unter Umständen wieder für eine Beweidung mit Hausrindern geeignet sind. Als Weidegänger bevorzugen Wasserbüffel wie andere Rinderarten Gräser und Kräuter. Ihre Eignung zur Entbuschung ist daher nur begrenzt, wogegen eine einsetzende Verbuschung mit Wasserbüffeln wie mit anderen Rindern effektiv aufgehalten werden kann. Dabei wirken die Büffel naturgemäß auch weit in die nassen Zonen einer Weidefläche hinein, die bei herkömmlicher Rinderbeweidung schnell mit Weiden und besonders Erlen zuwachsen können.

Die Ufer von Wasser- und Schlammflächen, die von den Wasserbüffeln zum Fressen und Suhlen aufgesucht werden, zeigen bald lückige Kleinröhrichte mit Pionierarten und Arten der annuellen Uferfluren. Da diese meist auf der Roten Liste stehen ist die Wasserbüffelbeweidung bei entsprechenden Zielen aus naturschutzfachlicher Sicht von großem Wert. Beim Belaufen des Feuchtgrünlandes entstehen zusätzlich Keimbetten für konkurrenzschwache Arten, z.B. Orchideen.


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