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Analyse der Problematik von Schäden durch Wildschweine in der Nordeifel unter besonderer Berücksichtigung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten



In der vorliegenden Untersuchung sollen nicht die Schäden an den Kulturen in Land- und Forstwirtschaft im Vordergrund stehen, sondern Schäden, die an Elementen historischer Landnutzung bzw. Naturschutzgebieten jedweder Art entstehen. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage, ob diese genauso zu behandeln sind, wie in „kommerziellen“ Kulturen.

In dem großen Verbreitungsgebiet des Wildschweins ist die Art auch mehrfach unabhängig domestiziert worden. Bis zum 18. Jahrhundert wich das Leben der europäischen Hausschweine nicht grundlegend von dem der Wildschweine ab. Durch die Haltungsbedingungen waren sie nicht gegen klimatische Unbilden abgeschirmt. Ihr Futter mussten sie überwiegend in den Wäldern eigenständig suchen.

Schwarzwild (Wildschweine, Sauen) besitzt die höchsten Wurfzahlen aller Schalenwildarten und verhält sich ökologisch wie ein klassischer r-Stratege. Bisherige jagdliche Bemühungen, wie das Lüneburger Modell und alle Folgenden haben – trotz einzelner Erfolge – in der Fläche mehr oder weniger versagt. Die über Jahrzehnte praktizierte Fütterung mit Mais führte zu Bestandsdichten die heute kaum noch zu kontrollieren sind. Hinzu kamen in den letzten Jahren vermehrt natürliche, auf das Reproduktionsgeschehen direkt und pulsartig einwirkenden Faktoren Eichel & Buchenmast bisher relativ wenig Beachtung geschenkt wurde. Ohne effiziente Bejagung sind Zuwächse in der Population von bis zu 300% jährlich möglich.

Alle Magenanalysen am Schwarzwild zeigten, dass, unabhängig von jahreszeitlichen, lokalen und regionalen Schwankungen, der wesentliche Teil der Nahrung aus sommergrünen Laubwäldern stammt bzw. dort aufgenommen wurde. In guten Mastjahren lieferten reine Eichenwälder bis über 10 000 Kilogramm Eicheln pro Hektar und Jahr. Aus heutigen Mischwäldern mit Eichendominanz liegen Werte zwischen zwei bis elf Tonnen Eicheln pro Hektar und Jahr vor. Sie sind die Nahrungsgrundlage des Schwarzwildes.

In Mastjahren wird die Maiskirrung unattraktiv, die Wiesenschäden steigen jedoch, sofern im Wald Eichen- oder Buchen-Mast vorhanden ist und gleichzeitig keine ausreichenden Eiweißquellen im Wald erschlossen werden können.

Bei Schäden durch jagdbare Arten, wie dem Wildschwein handelt es sich um Wildschäden im engeren Sinne. Diese sind ersatzpflichtig. Ersatzpflichtig ist zunächst die Jagdgenossenschaft, die aber in der Regel per Vertrag die Verpflichtung auf den Jagdpächter überträgt. Die Haftung für Wildschäden setzt grundsätzlich kein Verschulden des Ersatzpflichtigen voraus. Über die Art des zu leistenden Ersatzes sagt das Bundesjagdgesetz nichts aus. Insoweit gilt § 249 BGB, der lautet: „Wer zum Schadensersatz verpflichtet ist, hat den Zustand herzustellen, der bestehen würde, wenn der zum Ersatz verpflichtende Umstand nicht eingetreten wäre. Ist wegen Verletzung einer Person oder wegen Beschädigung einer Sache Schadenersatz zu leisten, so kann der Gläubiger statt der Herstellung den dazu erforderlichen Geldbetrag verlangen. Grundsätzlich ist also der Schaden im Wege der Naturalrestitution auszugleichen; der Geschädigte kann jedoch stattdessen Geldersatz verlangen. Der Geschädigte ist nicht verpflichtet, die erforderlichen Wiederherstellungsarbeiten selbst auszuführen (THIES 2011). In Schutzgebieten ist besondere Sorgfalt bei der Wiederherstellung geboten. An die Bearbeiter werden höhere Anforderungen gestellt, Beratung von Experten ist notwendig, was sich auf die zu veranschlagenden Kosten auswirkt.

Neben der zahlenmäßigen Reduktion der Art durch Bejagung werden in erster Linie Zäune zur Abwehr von Schäden eingesetzt. In den einzelnen Bundesländern gibt es allerdings unterschiedliche Regelungen welche Zäune als Schutzzäune akzeptiert werden. Die neuesten Urteile werten dauerhafte Zäune in der Regel als Zerschneidung. Diese sind im Außenbereich nicht genehmigungsfähig. Elektrozäune sind demnach das Mittel der Wahl. Allerdings sollte insbesondere in Schutzgebieten darauf geachtet werden, dass keine Totalherbizide zum Freistellen des Zauns eingesetzt werden!

Trotz aller bisherigen Bemühungen den nach oben führenden Populationstrend zu stoppen oder gar umzukehren verdient es das Wildschwein nicht als Schädling verdammt oder behandelt zu werden. Auch die Sauen haben eine weitgehend stressfreie und „faire“ Bejagung verdient. Allerdings führt kein Weg an einer drastischen und dauerhaften Reduzierung dieser Wildart vorbei!


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